Donnerstag, 15. April 2010

Abschied von Buenos Aires und Argentinien

Sonntag, der 11. April 2010

Nach dem Aufenthalt im Chaco kam ich am Sonntagnachmittag nach einer Nachtfahrt wieder zurück nach Buenos Aires. Es war für mich eine Möglichkeit die Stadt etwas kennen zu lernen. Nachdem ich den Armutsgürtel um Buenos Aires gesehen habe und die bescheidenen Verhältnisse der Menschen im Chaco erlebte, schockte mich der Reichtum im Zentrum Buenos Aires.

Es empfingen mich bei strahlendem Sonnenschein breite Straßen, imposante Plätze und ein modernes Bankenzentrum. An der Stelle wurden mir wieder einmal die strukturellen Unterschiede bewusst. Jetzt verstehe ich, dass man Argentinien ganz grob in zwei Teile einteilt. Auf der einen Seite die Porteños (Einwohner von Buenos Aires) auf der anderen Seite die Einwohner des übrigen Argentiniens. Wobei es dabei sicher auch noch große Unterschiede gibt. Die Zentralisierung der politischen Macht auf die Hauptstadt bringt es mit sich, dass in und um sie herum 15 Millionen Einwohner ansässig geworden sind. Ca. 40 Millionen Einwohner hat Argentinien und ist 7 Mal größer als Deutschland.
Daran wird deutlich wie stark die Bevölkerung sich auf die Hauptstadt konzentriert.

Wie kommt es zu dieser städtischen Konzentration? Das Phänomen der Landflucht ist wie in ganz Lateinamerika stark von der Industrialisierung der Landwirtschaft beeinflusst. Ich werde informiert, dass die großen Ländereien zum Teil von großen Konzernen bewirtschaftet werden, die das Land nicht nachhaltig bewirtschaften und die kleinen Campesinos verdrängen. Die wiederum wandern in die Städte ab und bilden einen Gürtel der Misere in den Peripherien der Großstädte.
Daran wird deutlich, dass die verfehlte Agrarpolitik der letzten 50 Jahre, die die grüne Revolution verbunden mit der Politik des Wachsens oder Weichens propagierte letzten Endes viel Armut schuf. In diesem Zusammenhang gehört das legendäre argentinische Steak der Vergangenheit an. Die Rinder werden dicht zusammen gedrängt in Ställen gehalten und bekommen streng kontrollierte Rationen um möglichst schnell schlachtreif zu werden.

Im Gespräch mit den Menschen spürte ich die Wunden, die aus dem Militärputsch, der am 24. März 1976 stattfand herrühren. Bis 1983 dauerte die Militärdiktatur. 30.000 Personen sind während dieser Zeit verschwundnen. Viele Familien wissen bis heute noch nichts Genaues über ihre Angehörigen, die zum Teil gefoltert und ermordet wurden. Erst in den letzten 15 Jahren werden die Schicksale und all das was passiert ist aufgearbeitet.
Bei allen Gesprächen wird deutlich: „Nie wieder Militärputsch“.

Alle politischen Richtungen stimmen überein, dass die USA aus ökonomischen Interessen diesen Militärputsch mitfinanzierte. Eindeutig werden die Auslandsschulden auf die Zeit der Militärdiktatur zurück geführt. Könnte es sein, dass Europa auch involviert war? Ich hoffe, dass es nicht so ist. Aber mit diesen zwiespältigen Gefühlen verlasse ich Argentinien und ich breche nach Bogotá auf, um an der vorbereitenden Versammlung der lateinamerikanischen Kirchen zur Vollversammlung des lutherischen Weltbundes teilzunehmen.

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